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West Bank Story

Mal etwas heiteres as dem Nahen Osten:

West Bank Story - StillA short musical comedy about rival Palestinian and Israeli falafel stands in the West Bank was awarded the Oscar for best live action short film Sunday. […]

The film focuses on two fast food stands that specialize in falafel and hummus – „Kosher King,“ run by Jewish West Bank residents, and „Hummus Hut,“ run by Palestinians. The pretty cashier Fatima and the sweet Israel Defense Forces soldier David fall in love despite the rivalry between their families, but the love story, laden with serenades and veiled glances, leads to the destruction of the two restaurants. At the end of the film, both sides are forced to work together to fill local residents‘ endless appetite for hummus. (Haaretz)

West Bank Story - StillAha, ein Musical also in dem sich die Liebe zweier junger Menschen über den Hass ihrer Familien aufeinander hinweg setzt… das lässt sich doch schon mal gut an und das Motiv dürfte tradiert und eingängig genug sein, um es weit genug (d.h. für den Middle-East-Context) abstrahieren zu können. Ari Sander, Regisseur des 20 minütigen Kurzfilms, war es wichtig, dass der Film Hoffnung für eine friedliche Lösung des Konflikts gibt und dass er ein ausgewogenes (wenn auch karikaturenhaftes) Bild der israelischen und palästinensischen Seiten gibt.

„I wanted to create a film that would do three things: draw attention, make people laugh and present a positive and balanced position in support of peace,“ he said. „It was important to me to be very careful to maintain balance and equality between the sides, because most films show only one side of the conflict and then viewers from the other side feel the movie is biased.“

Therefore, workers at both restaurants are dressed in ridiculous uniforms, and there are equal numbers of jokes about both sides. The Palestinian cashier, for example, fires rounds from an automatic weapon at the ceiling when she greets customers at the Hummus Hut. And when the Israelis plan to build a separation fence between the restaurants, the Palestinians burst into laughter: „Jews and construction? That’s the funniest thing we‘ve ever heard.“

Der Film ist schon zwei Jahre alt und 25-fach preisgekrönt. Unter anderem wurde er auch auf dem Dubai Film Festival gezeigt. Hier sind noch ein paar Links:

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Der Berschde-Wick. Dokumentation eines Dieburger Originals

Wer hätte das gedacht: Da geht eine lange nicht mehr gesehene Schulfreundin nach Hamburg und macht bei Wim Wenders ihr Diplom. Nicht nur das, sie sahnt auch noch Preise für ihre Abschlussarbeit ab. In „Vergissmeinnicht“ stellt Zora Hagedorn Familien- und Handwerksbetriebe dar, die sich in modernen Zeiten im „ökonomischen Niedergang“ befinden. So weit die Filmvorstellung der HfBK. Wir haben letztes Wochenende den Teil des Films gesehen, in dem es um den Dieburger Bürstenhersteller „Berschde-Wick“ („Bürsten-Wick“) geht und der doch etwas mehr als nur ökonomischen Niedergang o.ä. darstellte. Es war viel mehr eine sehr unaufdringliche, einfühlsame Dokumentation eines Mannes, der als über die Generationen hinüber geretteter Zeuge seiner eigenen Zeit auftritt.

Zora Hagedorn und der Bürstenfabrikant Herr Wick.Die Standardsituation des Films ist folgende: Herr Wick, über 80jähriger Bürstenfabrikant und -verkäufer, steht vor der Kamera, meist mitten in dem Durcheinander, das seinen Laden beherrscht, und erzählt mit viel Witz und sehr pointiert aus seinem Leben. Er erläutert den erzwungenen Rückbau des Hauses (wegen der Verbreiterung der angrenzenden Straße) mit genau so viel Humor und einer bestimmten südhessischen Leichtfüssigkeit wie seine Begegnung mit Theodor Heuss. Den traf er nämlich mal vor seiner Zeit in dem Familienbetrieb, als er noch als Koch in einem renommierten Schweizer Hotel arbeitete.

Gerahmt werden die unterschiedlich langen biografischen Sequenzen von Eindrücken aus dem Betrieb. Oder besser, dem Eindruck aus dem Betrieb: Alles ist chaotisch. Der Hof ist übersät von Haufen unterschiedlicher Größen und Zusammensetzungen. Rohmaterial, Brennholz, Ersatzteile… im Laden laufen zwischen den Besenstielen, Kalendern, Zangen und Kisten die Hühner umher. Kein einziges Zimmer, in das die Zuschauenden Herrn Wick begleiten, ist aufgeräumt oder einer bestimmten Funktion zuordenbar. Wo schläft der Mann? Wie findet er überhaupt etwas? Dennoch scheint das Geschäft zu brummen, da der Handwerker nun mehrheitlich als Unternehmer wirtschaftet und eher Warenvertrieb zwischen Großhandel und Endverbraucher organisiert, als selber Ware zu produzieren.

Während des gesamten Films zeigte sich das Publikum ob der Unordnung in Haus und Hof des öfteren sehr erheitert. Manche lachten sich über die vier defekten Schubkarren im Hof förmlich schief. Claudia Kleene, Inhaberin des Buchladens Bücherinsel, in dessen Hof der Film gezeigt wurde, merkte nach der Vorführung an, der Film hätte ein Lachen mit Herrn Wick, nicht über ihn, ermöglicht. Das mag für die autobiografisch von ihm moderierten Teile vielleicht gestimmt haben, dass aber das bloße Darstellen seiner „Unordnung“ die Gäste zum lachen brachte, fand ich ziemlich bezeichnend. Sicherlich waren viele erstaunt, dass ein über 80-Jähriger überhaupt noch einer Erwerbstätigkeit nachgeht, viel mehr aber sicherlich darüber, in welchem Durcheinander dies stattfindet. Auch dürfte ihnen das Konzept, an einem Ort gleichzeitig zu wohnen und zu arbeiten, fremd gewesen sein. Dieburg war aber bis weit in die 1960er hinein ein Bauernkaff, katholisch und konservativ mitten im evangelisch und sozialdemokratisch geprägten Darmstädter Umland. Ich würde jede Wette eingehen, dass fast jeder Hinterhof so oder so ähnlich aussah, inklusive Werkstatt, Verkaufsladen oder Scheune. Daran wird man heute, in der suburbanisierten, familienfreundlichen Idylle der Park- und Gartenstadt Dieburg ungern erinnert. Das Amüsement der Zuschauenden, von denen sicherlich manche zugezogen sind, viele aber schon ihr ganzes Leben in Dieburg wohnen, bekam für mich deshalb einen zumindest teilweise abwehrenden Charakter.

Nicht so aber die Darstellung des Durcheinanders im Film selbst. Alle Einstellungen sprechen mit einer bestimmten höflichen Beiläufigkeit, als würde man, so wie der mit in den Film gerutschte Kunde, Herrn Wick im Laden treffen und sich einfach nur umsehen. Und was gibt es nun einmal in einem Laden der Bürsten verkauft ausgerechnet zu sehen? Details werden nicht gesondert hervorgehoben, sondern eher den Zuschauenden überlassen. Der Blick ist nicht inspizierend oder wertend, so wie ihn viele der Zuschauenden auf die dargestellten Szenen geworfen haben, er schweift über die Situation so, als ob es eigentlich gerade etwas anderes gäbe, was die Aufmerksamkeit verlangte. Fill in the gaps, die stillen Eindrücke aus Haus und Hof werden so weniger Anlass zu Heiterkeit als zur Möglichkeit, das hinterlassene Bild selber weiterzudenken.

Es ist eine eine wirklich schöne Hommage geworden. Den ersten Teil, in dem einen Hamburger Frisörsalon porträtiert wird, würde ich auch gerne mal sehen.

EDIT (15.06.2006, 13.50 Uhr): Noch eine Sache wollte ich unbedingt über den Film sagen: Wunderbare Musik.

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