Tag-Archiv für 'demo'

1. Mai in HH: n-tv verrät uns, wer angefangen hat

Gut, dass es gewissenhafte Journalist_innen gibt, die die Verursacher der „Gewalt-Orgie“ (WELT) gestern in Hamburg eindeutig benennen können:

Die Gewalt bei den Mai-Krawallen in Hamburg ist nach Einschätzung der Polizei von den rechtsextremistischen Demonstranten ausgegangen […]

[etwas weiter unten] Die Gewalt sei von den Gegendemonstranten ausgegangen […]

Alles klar?

Bei den ganzen Krawallen darf natürlich der Regionalbezug nicht fehlen, deshalb fand ich das folgende Bild von SPON schön anzusehen:
LDK N 1488... not a wise choice.

„1488″? Das nächste Mal wohl lieber nicht in der Nähe einer Antifa-Demo parken, du Vollhorst.

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Über diese Demo da…

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich das Aufhebens um pro-Israel-Demos in Deutschland nicht mehr so genau verfolge, seitdem ich in Israel bin. Die letzte Demo von ILI und HC hat aber scheinbar in der antideutschen community den shit the fan hitten lassen. Da wurden allerlei Sachen geschrieben, Anti- sowie Philosemitismus-Keulen geschwungen, FunktionärInnen jüdischer Organisationen angeprangert, Fahnen abgebildet, Feinde denunziert… alles was dazugehört eben, wenn es um Israel geht.

Abgesehen davon, dass es mir zu anstrengend ist, diese Debatten en detail zu verfolgen, befremdet mich beim schnellen überfliegen der einschlägigen Textprodukte immer wieder die Angewohnhit, Juden und Jüdinnen in allerei Absicht und zu unterschiedlichen Zwecken zu objektivieren (und sei es auch nur zugunsten eines griffigen Slogans oder einer polemischen Formulierung). Die Angewohnheit, Judentum und das ihm verbundene Israel positiv aufzuladen und sich damit derartig zu identifizieren hat nun mal den Nachteil, dass es ziemlich schnell (z.B. bei individuell empfundener Enttäuschung) umschlagen kann und auf einmal mit genau demselben Eifer gegen das früher überhöhte Objekt gewendet werden kann. Damit möchte ich nicht sagen, dass es mit den KritikerInnen oder VerteidigerInnen der ILI-HC-Demo so weit gekommen ist. Die Intensität, mit der über die Veranstaltung in den mir zugänglichen Medien gestritten wird, brachte mich aber erneut dazu, über solche und ähnliche Phänomene nachzudenken (während meiner Zeit hier bin ich zwei Menschen begegnet, bei denen ich eine ähnlich gelagerte, problematische Beziehung zu Judentum und Israel vermuten würde, nur drückte es sich bei diesen beiden eher in der Absicht aus, zu konvertieren).

Das Hin- und Herbashen der unterschiedlichen Blogs, Zeitschriften, Redaktionen, KommentatorInnen, etc. scheint mir (und, um die Floskel einmal wieder aufzuwärmen, vielen Israelis) sehr oft nicht nur wundersam, sondern auch seltsam unverbunden mit der Sache, um die es hier eigentlich geht: Israel. Mich da reinzufitzen scheint mir nicht nur mühselig, sondern auch wenig gewinnversprechend. Deshalb bin ich ganz froh über die klare Zusammenfassung und Kritik der bisherigen Geschehnisse von Wartezeit überbrücken… und möchte sie hier empfehlen:

Die virulenten und an sich wahrhaften Axiome “Singularität von Auschwitz” und “Solidarität mit Israel” werden zu Phrasen, leeren Formeln, wenn sie nicht zur Reflexion auf das Ganze wie auf sich selbst anleiten. Die Wahrheit schlägt in Lüge um, wenn Singularität nichts anderes mehr bedeutet als Militärschläge zu begrüßen, und Solidarität allein das Tragen einschlägiger Szenekleidung beim egotronic-Konzert. Vielleicht war es tatsächlich nur eine Frage der Zeit, bis diese Fussballfan-Mentalität – wer hat das geilste Israel-Shirt, wer kennt den krassesten Pali-Witz, wer weiß die PS-Zahl des Merkava auswendig, wer hat die meisten Juden im Freundeskreis – sich gegen die Objekte des Fandoms selbst richten musste. Die Übergriffigkeit, die in den Debatten der letzten Tage zu beobachten war, und die offenbar als Befreiung von einem “Tabu” zu werten ist, wurde ermöglicht durch Denkfaulheit, durch identitäre Auf- und Zurechnung.

Den ganzen Post findet Ihr dort.

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Demo in Gießen heute…

… war gut, wenn auch etwas durcheinander. Diese Stadt ist einfach zu klein für Demos mit über 1.000 TeilnehmerInnen. Die Polizei hatte alle Hände voll zu tun, die drei bis vier unterschiedlichen Demo-Züge, die sich selbständig gemacht hatten, vom Autobahnring fern zu halten.
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Außerdem dauerte die ganze Sache bis eben an, d.h. insgesamt mehr als sieben Stunden. Alles in allem eine schöne Abwechslung in einer Stadt, in der Studierende es sonst eher selten schaffen, Aufsehen zu erregen. Eingehendere Berichte wohl in Kürze an den bekannten Stellen.

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Mein Wochenende

Es ist so gut wie vorbei, da ich den Rest meines Sonntags in der Bibliothek beim Lohnarbeiten verbringen werde. Aber besonders gestern war relativ ereignisreich:

Anti-Nazi-WG-Demo in Hochweisel bei Butzbach: Die Freien Nationalisten Rhein-Main haben eine kuschlige kleine Bude gekauft, nun wohnen dort die Nazis in wohliger Eintracht mit den anderen HochweiselerInnen (O-Ton: „Die grüßen immer freundlich, mehr kann ich dazu nicht sagen.“). Spülplan und Babysitting inklusive, was eine WG halt so für Vorteile bietet. Wochenends wird dem Nachbar im Garten geholfen. Antifa-Gruppen aus der Wetterau, Gießen, Frankfurt, Marburg und Darmstadt haben zusammen mit einem lokalen Bündis ein sehr gute Demonstration dagegen hingelegt, wir waren mit dabei und der HR brachte ein Bericht darüber. Allerdings nicht von der Moderatoren-Anmerkung „Zugezogenen“ täuschen lassen, weder war Hochweisel vorher ein schöner Ort, noch ist er es mit seinem Schulterschluss zwischen alten und neuen BewohnerInnen jetzt.
Ein sehr guter und eindrücklicher Redebeitrag kam von der autonomen antifa [f], auch wenn sich viele wohl wie in Politik-Oberseminar versetzt fühlten. Eine Tante von der IG Metall nervte mit Erzählungen aus ihrem Berufsleben und dem Aufruf, doch über die randständigen politischen Konflikte in „der Linken“ zusammen zu finden um Nazis zu vertreiben. Ein Grußwort von DGB-Mittelhessen-Chef Ernst Richter war nicht viel besser, sondern bestätigte die Ansicht, dass die Konflikte mit bauchlinken Saubermännern nicht „randständig“ sind, sondern grundsätzlich.
Es gibt im Umgang mit der WG sehr skurrile Erscheinungen. So wurden Antifa-Aktivisten von der Polizei Fotos von einer Demo vor dem Haus zur Identifikation von vermummten Demonstranten vorgelegt. Der Clou: Die Fotos hatten eindeutig die Nazis aus ihren Zimmerfenstern gemacht. Gleichzeitig will sich das Bürgerbündnis gegen rechte und linke Chaoten abgrenzen und zieht dabei die schönsten totalitarismustheoretischen Argumente heran.

Party in der Grünberger! Definitiv angenehmer als bei Minusgraden in Wetterauer Käffern herumzulatschen war die Party einer Bekannten zum Abschied (vier Monate Argentinien) in der Grünberger Straße. Erfreulicherweise legten die GastgeberInnen sehr viel Wert darauf, ihren Gästen feine, ausgewählte Musik vorzuspielen. Von der Laptop-WinAmp-RandomPlay-Kombo wurden wir verschont, dafür gab es unglaublich mitreißenden Elektro von zwei bis drei DJs zu hören. Dazu balkongekühlte Drinks zum selbermischen. Das Wissen um meinen Sonntag (s.o.) trieb mich schon um ca. 2 nach Hause, obwohl die Party noch am pumpen war.

Update: Die Neo-Nazi-WG aus Hochweisel will nun kraft der NPD in den Kreistag einziehen:
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