Archiv der Kategorie 'heim und welt'

Bestürzung über den Umgang untereinander in Klein Linden

In Klein Linden bei Gießen werden seit neuestem auch wieder Juden angegriffen:

Am vergangenen Wochenende lauerte […] ein Bürger des Stadtteils dem Küster der evangelischen Kirchengemeinde auf und beschimpfte ihn mit „Judenschwein, raus aus Deutschland“. Anschließend habe er so auf ihn eingeschlagen, dass eine Behandlung im Uniklinikum erforderlich wurde. Der jüdische Mitbürger erstattete Anzeige.
Beschimpfungen und Bedrohungen hätten vorher schon stattgefunden und setzten sich fort, berichtete der stellvertretende Ortsvorsteher.
Gießener Anzeiger vom 02.11.2007

So ganz scheinen die Dorf-Vorsteher nicht kapiert zu haben, was am Wochenende genau vorging. Im Ortsbeirat wurde als Reaktion auf den antisemitischen Angriff eine Erklärung verabschiedet mit dem Titel: „Umgang von Mitbürgern untereinander und deren Grenzen – unsere Verantwortung als Kleinlindener“. Als ob ausgerechnet dieser Vorfall nun taugen müsste für eine Auslotung der „Grenzen“ im „Umgang untereinander“. Der Verzicht auf Gewalt gegen Juden scheint so nichts weiter als eine Sache der Manieren zu sein.

Man darf gespannnt sein, ob nach den sinnlosen Anträgen in unbedeutenden Dorfgremien noch etwas weiteres passiert. Dem „rechten Gesindel“, das man zumindest in Klein Linden nicht (mehr) haben möchte, ließe sich ja recht einfach mit einem Gerichtsverfahren Herr werden. Aber was tun gegen die Tatsache eines antisemitischen Angriffs mitten im Dorf? Bisher deutet vieles darauf hin, dass es den Herren vom Ortsbeirat eher um die Ruhe und Ordnung geht sowie Schäden am Image der Gemeinde der zu vermeiden.

Auch die auffällige Vermeidung des Wortes „Juden“ ist etwas auffällig und die schon fast durchdringende Verwendung des in der Praxis kritisierbar eingesetzten Begriffs „Mitbürger“. Was soll dieses Gestelze? So weit ich weiß, sollte es in Deutschland keine Beleidigung mehr sein, „Jude“ genannt zu werden. Auch diese Praxis lässt einiges an Aufarbeitungsbedarf in der gemütlichen Gemeinde Klein Linden vermuten.

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„Baukörper hat Form eines Hoheitsabzeichens“

Das Finanzamt Gießen ist im Juni 2004 in das Gebäude des ehemaligen sogenannten „Bundeswehrkrankenhauses“ in der Schubertstraße in Gießen eingezogen. Dass dieses Gebäude nicht nur ein Teil der regionalen Geschichte der Bundeswehr ist, sondern seine Wurzeln im Militär des Nationalsozialismus, der Wehrmacht, hat, weiß die Amtsbroschüre „Vom Lazarett zum Behördenzentrum“ (PDF, 8MB):

Im Rahmen der Heeresvergrößerung 1935 begann im Deutschen Reich verstärkt der Bau von militärischen Anlagen aller Art. In Gießen wurden u.a. verschiedene Kasernen erbaut, der Flughafen (heute US-Depot) angelegt und in der Schubertstraße erfolgte der Neubau eines Standortlazaretts für die Deutsche Wehrmacht.

Nach dem sich die Broschüre etwas in den technischen Details der Bauzeit ergötzt, kommt sie zu der mittlerweile für jede bundesdeutsche Behörde selbstverständlich gewordenen Vergangenheitsbewältigung:

Der Baukörper der Anlage hat die Form des damaligen Hoheitsabzeichens, das jeder Soldat an der rechten Brustseite seiner Uniform trug.

Ein Hoheitsabzeichen also, das jeder Soldat an der Uniform trug. Ein Satz, der sich eher durch Verschweigen auszeichnet als durch Aussage. Damit wäre alles gesagt, ohne überhaupt etwas zu sagen und den Regeln jeder guten deutschen Vergangenheitsbewältigung nachgekommen. Die Details der Vergangenheit interessieren nämlich vor allem wegen des Lahnmarmors, den fackeltragenden Jünglingen in den Brunnen und den Bildern der alten Herrlichkeit, die unkommentiert in der Broschüre zur Schau gestellt werden. Wenn es aber um die Design-Details des Gebäudes geht, ist spätestens bei dem Nazi-Kram endgültig Schluss, denn mit dem möchte man heute so wenig wie damals etwas zu tun haben.

Ein Blick aus der Luft auf das Gebäude, der der Broschüre wohlweislich vorenthalten ist, verrät etwas mehr über das „Hoheitsabzeichen“, das dort architektonisch nachempfunden werden sollte (das Gelände des Finanzamtes ist hervorgehoben):

Finanzamt Gießen, das alte Hoheitsabzeichen

1939 war das ganze noch ergänzt um ein wichtiges Detail, nämlich das Hakenkreuz, das die Innenfläche des Rondells verzierte. Damit wäre dann den Erfordernissen der damaligen „Verordnung über die Gestaltung des Hoheitszeichens des Reichs“ nachgekommen sein:

Der Reichsalder, das alte Hoheitsabzeichen
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sonnemeerstrand

Serifos Bucht
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Leshana tova tikateiv

Es gibt eine neue Online-Ausstellung just in time for Rosh Hashana auf der Yad Vashem Seite. Gezeigt werden die jahreszeitlich üblichen Karten zum Neuen Jahr aus der Zeit vor, während und nach dem Krieg.
Leshana tova tikateiv

PS: Jaja. Geht schon bald wieder los hier. Aber hier ist auch nicht schlecht!

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Jungen Männern droht die Einsamkeit

Trotz meiner Blogpause-Prinzipien, das muss sein: Eine wirklich rührende SpOn-Video-Reportage über die Abwanderung junger Frauen aus Sachsen habe ich mir gerade angesehen. *Schnief*.

Zitat: „Jungen Männern droht die Einsamkeit. Ohne Frauen, ohne Aussicht auf Besserung.“ Hmm… ob dieses Prachtexemplar wohl die jungen Schönheiten wieder anlockt?

Kraftschlag-Loverboy is in the mood!

Oder muss da erst wieder Frankie ran?

PS: Weiter geht es hier irgendwann rund um den 4th of July. Vielleicht sogar mit einem Design-Cleanup…

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