Archiv für Februar 2007

West Bank Story

Mal etwas heiteres as dem Nahen Osten:

West Bank Story - StillA short musical comedy about rival Palestinian and Israeli falafel stands in the West Bank was awarded the Oscar for best live action short film Sunday. […]

The film focuses on two fast food stands that specialize in falafel and hummus – „Kosher King,“ run by Jewish West Bank residents, and „Hummus Hut,“ run by Palestinians. The pretty cashier Fatima and the sweet Israel Defense Forces soldier David fall in love despite the rivalry between their families, but the love story, laden with serenades and veiled glances, leads to the destruction of the two restaurants. At the end of the film, both sides are forced to work together to fill local residents‘ endless appetite for hummus. (Haaretz)

West Bank Story - StillAha, ein Musical also in dem sich die Liebe zweier junger Menschen über den Hass ihrer Familien aufeinander hinweg setzt… das lässt sich doch schon mal gut an und das Motiv dürfte tradiert und eingängig genug sein, um es weit genug (d.h. für den Middle-East-Context) abstrahieren zu können. Ari Sander, Regisseur des 20 minütigen Kurzfilms, war es wichtig, dass der Film Hoffnung für eine friedliche Lösung des Konflikts gibt und dass er ein ausgewogenes (wenn auch karikaturenhaftes) Bild der israelischen und palästinensischen Seiten gibt.

„I wanted to create a film that would do three things: draw attention, make people laugh and present a positive and balanced position in support of peace,“ he said. „It was important to me to be very careful to maintain balance and equality between the sides, because most films show only one side of the conflict and then viewers from the other side feel the movie is biased.“

Therefore, workers at both restaurants are dressed in ridiculous uniforms, and there are equal numbers of jokes about both sides. The Palestinian cashier, for example, fires rounds from an automatic weapon at the ceiling when she greets customers at the Hummus Hut. And when the Israelis plan to build a separation fence between the restaurants, the Palestinians burst into laughter: „Jews and construction? That’s the funniest thing we‘ve ever heard.“

Der Film ist schon zwei Jahre alt und 25-fach preisgekrönt. Unter anderem wurde er auch auf dem Dubai Film Festival gezeigt. Hier sind noch ein paar Links:

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סוף הדרך: End of the road

סוף הדרך
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Hapoel Tel Aviv – Glasgow Rangers 2:1

Da hat Coach Walter Smith von den Rangers recht behalten: Im israelischen Fußball hätte es in den letzten Jahren große Fortschritte gegeben, sagte er in einer Pressekonferenz vor dem UEFA-Cup Achtelfinalspiel gegen Hapoel Tel Aviv, das am Mittwoch statt fand. „Wir erwarten ein sehr schwieriges Spiel und wissen, dass uns ein solches bevorsteht.“ Ob nun aus schottischer Höflichkeit oder ernsthafter Analyse geboren, die Vorhersage bewahrheitete sich letzten Mittwoch, als Hapoel die Rangers mit einem 2:1 wieder nach Hause schickte.

Hapoel Tel Aviv, obwohl in der israelischen Ligat Ha‘al hinter Beitar Yerushalayim und Maccabi Tel Aviv drittplatziert, bescherte den etwas verworren wirkenden Rangers eine Auswärtspleite und sicherte sich einen komfortablen Stand für das Rückspiel nächste Woche (22. Feb.) in Schottland. Hapoel ist nun schon seit 13 Spielen ungeschlagen und beendete mit dem Sieg am Mittwoch die Glückssträhne der Rangers, die seit Oktober 2005 ohne Niederlage im UEFA-Cup spielten. Maccabi Haifa, die andere israelische Mannschaft im UEFA-Wettkampf, trennte sich von CSKA Moskau mit 0:0.

Ich war mit B. und I. da, was wirklich nett war. Jederzeit wieder! Auf ynetnews.com ist ein kurzer Spielbericht zu finden:

Despite an injury crisis which forced Smith to name four teenagers on the bench, Rangers appeared comfortably in control of the contest with captain Barry Ferguson dominating the midfield.

But the Scottish giants were left stunned two minutes before the interval after January signing David Weir fouled Hapoel’s Izbita Ogbona a full 30 yards from goal. The distance mattered little to Toama, who stepped up and curled a superb left-foot drive around the outside of the wall and into the top corner.

It was a rude awakening for the visitors but it was no real surprise when they equalized seven minutes after the restart. A Ferguson free-kick from the edge of the area took a wicked deflection off the wall and bounced back off the post, allowing Spanish striker Novo to bundle the ball over the line with his knee and get Rangers back on level terms.

The Scots however paid the price for going to sleep in the wake of the equalizer. Elyaniv Barda was allowed to get in behind the back four on the right of the box and his mishit shot proved to be a perfect cross for Dego, who slotted the ball into the net from close to the penalty spot.

Despite a lackluster display, Rangers were somewhat unfortunate not to be awarded a penalty when a Weir header was blocked with an arm and the visitors twice came close to grabbing an equalizer in the closing minutes.

Charlie Adam’s long-range lob was tipped over by Shavit Elimelech before Karl Svensson headed a Gavin Rae cross inches over the bar.

Those chances will have given Smith cause to believe that his side can overturn the one-goal deficit in next week’s second leg at Ibrox, where Rangers have already beaten the Israel champions Maccabi Tel Aviv this season

Weitere Spielberichte bei BBC und Sky Sports.

Im Sha‘ar Hamesh war die Laune mal wieder durchweg hervorragend. Nach den Transparent-Verboten in den letzten Spielen ließen die Behörden zu diesem Spiel wieder die Mitnahme von Fahnen und Bannern zu, was sich natürlich auf die Stimmung im Block auswirkte. Vor dem Spiel mischten sich Rangers-Fans (irgendwie überwiegend übergewichtige Männer in ihren späten 40ern) unter die etwas verlegenen Hapoel Ultras (meist junge, schlacksige Jugendliche mit schlechtem Englisch), was natürlich friedlich wenn auch etwas awkward blieb. Vor dem Stadionlokal gab ein Rangers-Fan die Vereinshymne zum besten, die von den Tel Avivern mit einer Mischung von Verwunderung, Amüsement und höflichem Interesse verfolgt wurde. Leider war ich mit der Kamera zu langsam.

Im Stadion wurde zum Spielanfang wie immer jeder Spieler beim Aufwärmen mit einem eigens ihm gewidmeten Lied begrüßt. Einige Fans hatten zur Feier des Tages und um die Gäste etwas zu Ärgern extra ihre weiß-grünen Celtics-Trikots mitgebracht. Während der Halbzeit hörte man von der fernen Tribüne öfters mal „Celtics (klatsch-klatsch-klatsch) Celtics (klatsch-klatsch-klatsch)“. Schön für mich: Mittlerweile kann ich schon manche Lieder mitsingen, obwohl ich mir oft immernoch im Unklaren darüber bin, was ich da gerade richtung Spielfeld rufe.

Es war das beste Spiel, dass ich Hapoel hier habe spielen sehen und ich war offensichtlich nicht der einzige, den das Ergebnis überrascht hat (ich sagte für Hapoel eine big bad can of whoop-ass voraus). Es bleibt für die Mannschaft nur das Beste zu hoffen, wenn sie nächste Woche in Glasgow das Rückspiel antreten. Vor dem Spiel war eines der zentralen Themen, wer alles hinfliegt.

Videos und ein paar Bilder gibt es entweder später oder die Tage.

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אביב בעיר

Gerade bin ich bei L., einem sympatischen jungen österreichischem Volontär, der im Archiv Yad Vashems seinen Zivilersatzdienst macht, untergebracht. Heute morgen als ich aufwachte und mich aus dem Fenster lehnte, kam mir die Luft das erste Mal dieses Jahr frühlingshaft vor. Vielleicht ist es das wunderbare, sonnige Wetter, dass es hier wieder seit zwei Tagen gibt und das sich heute mit dem blauen Himmel und dem vornehm zurückhaltenden Vogelgezwitscher wieder ankündigt. Vielleicht ist es auch das Gefühl, hier nicht mehr lange sein zu können und die letzten paar Tage wirklich noch einmal zu genießen zu wollen. Jedenfalls war das kurze Verweilen am Fenster ein ganz wunderbarer Moment.

Den Frühling werde ich leider nicht mehr ganz mitbekommen, befürchte ich. Am 22. Februar geht es nämlich zurück nach D‘land. Bis dahin gibt es noch viel zu tun, z.B. am 14. auf das UEFA-Spiel Hapoel Tel Avivs gegen die Rangers-Luschen aus Glasgow. Nach Be‘ersheva A. besuchen wollte ich auch noch mal. Und viel, viel weg gehen. Hier in Jerusalem gefällt mir das Nachtleben mittlerweile sehr gut, auch wenn es sich meistens eh nur zwischen Uganda und Sira abspielt. Dann muss ich noch viel Musik und kleine Mitbringsel kaufen… mal sehen wann das noch alles passieren soll.

So, nun will ich aber auch mal raus in das besagte Frühlingswetter! Heute Abend oder die nächsten Tage gibt es noch mal einen Post zu meinem Wochenende, dass ich z.T. mit B. und Hilmar in Hebron verbracht habe.

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Restauration und Revision

A poster from the Izzedine al-Qassam Brigades Website. The inscription reads No! to making Al-Aqsa mosque Jewish.
Ein Poster auf den Internetseiten der Issedin Al-Kassam-Brigaden. Die Aufschrift: „Gegen den Versuch, die Al-Aqsa-Moschee jüdisch zu machen.“

„Geh‘ heute bloß nicht auf den Tempelberg“, schrieb mir meine Mutter vor ein paar Tagen zu meiner großen Verwunderung. Wie schon öfters musste ich über den Umweg von Freunden und Familie in Deutschland mehr über die aktuelle Lage vor meiner Haustür erfahren: Wegen Renovierungsarbeiten an der Zugangsbrücke zum Tempelberg gibt es seit Tagen Proteste und Ausschreitungen in Jerusalem und vielen Städten der Westbank. Die benötigte Restauration der Brücke wird von arabischen und muslimischen Wortführern als Versuch Israels ausgelegt, die Al Aqsa Moschee zu zerstören. Dabei bleiben sie die Antwort auf die berechtigte Frage schuldig, wie das mit einem popeligen Bagger 70m weit weg von der Moschee denn funktionieren soll.

Warum behaupten manche nun also solch einen Schmarrn? Um diese Frage zu beantworten hilft es, statt die Widersprüche der Behauptung eher den Kontext der Thesen unter die Lupe zu nehmen: Die jüdische Geschichte Jerusalems soll entwertet oder ganz widerlegt werden, gegen alle historische Fakten:

Today, thousands of Islamic rulings, publications and sources deny the Jewish roots in Jerusalem and its holy places. They claim that the Temple didn‘t even exist in Jerusalem but was located in Nablus or Yemen. An Islamic legal pronouncement (fatwa) on the Jerusalem Waqf (Muslim religious trust) Web site says King Solomon and King Herod did not build the Temple at all, but merely refurbished an existing structure that had been there from the days of Adam. Today, many Muslims call the Temple „the greatest fraud crime in history“ and many Muslim adjudicators attach the world „so-called“ to the word „temple.“

On the southern Islamic movement’s Web site, Mohamed Khalaikah cites Israeli archaeologists in support of his theory that there is no trace of the Jews‘ Temple. He distorts the writings of these archaeologists, whose studies provided findings from Biblical sources corroborating the Temple’s existence.

Lila hat einen zu recht bissigen Artikel zu den derzeitigen Riots auf dem Tempelberg geschrieben, der die aktuelle Situation sehr gut zusammenfasst:

Bei der Errichtung einer Brücke statt einer vor ein paar Jahren eingestürzten Fußgängerrampe wird also vorher gegraben, um sicherzugehen, daß keine archäologischen Funde dabei kaputtgemacht werden. Was ist daran skandalös? Wenn in Rom oder Athen Erdarbeiten vorgenommen werden, ist es selbstverständlich, vorher eventuelle archäologische Funde zu sichern. […]

Was kümmert es sie, daß diese Fußgängerrampe weit von der Al Aqsa-Moschee entfernt ist? Was kümmert es sie, daß von ihrem angeblich befürchteten Einsturz zuallererst die Klagemauer betroffen wäre, als Überrest des Tempels allen Juden der Welt heilig? Was kümmert es sie, daß die Israelis erklären, zeigen, filmen, und wieder erklären?

Es interessiert sie so wie sie die Motive der Redakteure der Jyllands-Posten interessiert haben, wie der Wortlaut der Papstrede sie interessiert hat und wie sie die Tatsache interessiert, daß Juden aus Rücksicht auf moslemische Gefühle den Juden Zutritt zu ihrem eigenen Tempelberg verwehren! Es kümmert sie kein bißchen. Auf der ganzen Welt sind die Schreihälse wieder unterwegs, “Mit Geist und Blut erlösen wir dich, Al Aqsa!” Erlösen wovon? Der Waqf verwaltet Al Aqsa und nutzt seine Autonomie dazu, selbst zu buddeln wie die Weltmeister - und damit eventuell die Klagemauer zum Einsturz zu bringen. Außerdem läßt der Waqf jüdische Altertümer verschwinden, um seine Behauptung, daß Jerusalem nie jüdisch war, zu untermauern.

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