Archiv für Januar 2007

Pizza und MTV

Statt eben vor dem Nachhausekommen noch im Merkaz einzukaufen beschloss ich, lieber um die Ecke eine Pizza zu holen zu gehen. Dann vor den Fernseher, allein schon wegen des Stils. RTL, 3sat sowie SAT.1 gibt es hier über Satellit, warum auch immer. Für mich sollte es aber MTV werden. Dann kamen meine zwei derzeitigen Lieblingsvideos hintereinander, hurrah!

Muse – Knights of Cydonia

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Justice vs. Simian – We Are Your Friends

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Jetzt läuft Rod Stewart, ich mache aus.
Roddie, baby!

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Über diese Demo da…

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich das Aufhebens um pro-Israel-Demos in Deutschland nicht mehr so genau verfolge, seitdem ich in Israel bin. Die letzte Demo von ILI und HC hat aber scheinbar in der antideutschen community den shit the fan hitten lassen. Da wurden allerlei Sachen geschrieben, Anti- sowie Philosemitismus-Keulen geschwungen, FunktionärInnen jüdischer Organisationen angeprangert, Fahnen abgebildet, Feinde denunziert… alles was dazugehört eben, wenn es um Israel geht.

Abgesehen davon, dass es mir zu anstrengend ist, diese Debatten en detail zu verfolgen, befremdet mich beim schnellen überfliegen der einschlägigen Textprodukte immer wieder die Angewohnhit, Juden und Jüdinnen in allerei Absicht und zu unterschiedlichen Zwecken zu objektivieren (und sei es auch nur zugunsten eines griffigen Slogans oder einer polemischen Formulierung). Die Angewohnheit, Judentum und das ihm verbundene Israel positiv aufzuladen und sich damit derartig zu identifizieren hat nun mal den Nachteil, dass es ziemlich schnell (z.B. bei individuell empfundener Enttäuschung) umschlagen kann und auf einmal mit genau demselben Eifer gegen das früher überhöhte Objekt gewendet werden kann. Damit möchte ich nicht sagen, dass es mit den KritikerInnen oder VerteidigerInnen der ILI-HC-Demo so weit gekommen ist. Die Intensität, mit der über die Veranstaltung in den mir zugänglichen Medien gestritten wird, brachte mich aber erneut dazu, über solche und ähnliche Phänomene nachzudenken (während meiner Zeit hier bin ich zwei Menschen begegnet, bei denen ich eine ähnlich gelagerte, problematische Beziehung zu Judentum und Israel vermuten würde, nur drückte es sich bei diesen beiden eher in der Absicht aus, zu konvertieren).

Das Hin- und Herbashen der unterschiedlichen Blogs, Zeitschriften, Redaktionen, KommentatorInnen, etc. scheint mir (und, um die Floskel einmal wieder aufzuwärmen, vielen Israelis) sehr oft nicht nur wundersam, sondern auch seltsam unverbunden mit der Sache, um die es hier eigentlich geht: Israel. Mich da reinzufitzen scheint mir nicht nur mühselig, sondern auch wenig gewinnversprechend. Deshalb bin ich ganz froh über die klare Zusammenfassung und Kritik der bisherigen Geschehnisse von Wartezeit überbrücken… und möchte sie hier empfehlen:

Die virulenten und an sich wahrhaften Axiome “Singularität von Auschwitz” und “Solidarität mit Israel” werden zu Phrasen, leeren Formeln, wenn sie nicht zur Reflexion auf das Ganze wie auf sich selbst anleiten. Die Wahrheit schlägt in Lüge um, wenn Singularität nichts anderes mehr bedeutet als Militärschläge zu begrüßen, und Solidarität allein das Tragen einschlägiger Szenekleidung beim egotronic-Konzert. Vielleicht war es tatsächlich nur eine Frage der Zeit, bis diese Fussballfan-Mentalität – wer hat das geilste Israel-Shirt, wer kennt den krassesten Pali-Witz, wer weiß die PS-Zahl des Merkava auswendig, wer hat die meisten Juden im Freundeskreis – sich gegen die Objekte des Fandoms selbst richten musste. Die Übergriffigkeit, die in den Debatten der letzten Tage zu beobachten war, und die offenbar als Befreiung von einem “Tabu” zu werten ist, wurde ermöglicht durch Denkfaulheit, durch identitäre Auf- und Zurechnung.

Den ganzen Post findet Ihr dort.

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Neue Fotos, neue Hardwareprobleme

Auffällig viele achteckige Steine hier

Israelische Gegenwartskunst

Gerade noch im Wasser...

Ich habe auch eine riesige Kiste voller abgeschlagener Schafsköpfe in der Altstadt fotografiert, allerdings wollte ich das Foto hier nicht veröffentlichen. Irgendwie hatte ich Bedenken, ich mache mir Sorgen um Eure zarten Gemüter. Wer es trotzdem sehen möchte: bitteschön.

Leider ist mir vor ein paar Tagen mein iBook etwas zu Schrott gegangen. Also nicht ganz. Ich vermute, es ist ein nicht seltener Fehler im so genannten logic board. Dabei löst sich ein bestimmter Chip von seinen Lötstellen auf der Platine, was zur Folge hat, das der Rechner zwar an geht, aber nur einen schwarzen Bildschirm anzeigt und nicht hochfährt. Ich habe das nach einigen Reperaturversuchen jetzt mit einer sehr großen Klemme vorläufig gelöst. Abgesehen davon, dass der Rechner nun an einer Tischplatte fixiert ist, scheint es aber auf Dauer nicht nur inpraktikabel sondern auch unelegant und gefährlich für die eingeklemmte Hardware. Authorized Apple Service Provider, here I come! Links zum Thema:

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Pitfalls of Memory

Yaacov Lozowick und Rochelle Millen bringen in dem kurzen gemeinsamen Beitrag „Pitfalls of Memory: Israeli-German Dialogues on the Shoah“ bündig und unaufgeregt auf den Punkt, was alles schiefgehen kann und wird, „when sincere and well-meaning Germans and Israelis attempt to deal together with their respective – and very different – memories of the Shoah.“ Sehr skizzenhaft werden die Ursprünge des deutschen Lavierens um den Begriff „Schuld“ herum als einzigartig, uneingefrordert und im christlichen Konzept über die vererbbare Schuld (Stichworte: Apfel und Eva, Christi Tod) verankert dargestellt. Danach stellen die AutorInnen vor, welche Vorteile die Akademisierung der Shoah-Foschung für Deutsche hat, leider nicht ohne auf unfundierte Generalisierungen zurückzugreifen („In Germany, however, public display of overt emotions is often frowned upon, unless possibly in clearly defined situations.“)

Zu den unterschiedlichen inhaltlichen Interessen schreiben sie:

For Germans, the primary focus of interest is their own history, and the single most important, overarching question is: „How could this have been done?“ In the search for an answer, Prussian militarism may be discussed, or the aftermath of World War I; one might analyze the failure of modernity, or perhaps the structure of totalitarianism or bureaucracy. The identity of the victims may become blurred; sometimes the victims – consciously or unconsciously – may even be degraded to almost coincidental props, chosen almost accidentally to be the object of an evil force which needed a victim.

Israelis find these deliberations interesting, but often of secondary importance. The primary question for most Israelis is not „How could this have been done?“ but „How could this have been done to us?“ These two small words camouflage a decidedly different perspective. The discussion might deal with the history of the relations between Jews and their neighbors, with forms and traditions of anti-Semitism; discussants might ponder the relevance of Jewish behaviour on the non-Jewish population or the inevitability of anti-Jewish sentiments in Western civilisation. From a different perspecive, one might deal with the multifaceted issue of Jewish responses to persecution. Could European Jews have averted the calamity? Should they have reacted somehow otherwise than they did?

It would be interesting to compare the literature dealing with the Shoah published in Hebrew with that published in German; noting the non-overlapping subject matter might be instructive.

Nachdem die Diskrepanzen im Umgang mit der jeweils eigenen Geschichte eingeführt wurden und klar wird, dass die Begegnung mit völlig unterschiedlichen Voraussetzungen statt findet, fragt man sich, mit welchem Ergebnis solch Begegnungen ablaufen sollen. Millen und Lozowick fassen zusammen, dass Juden sich hauptsächlich mit der Shoah beschäftigen um zu gedenken („commemoration“) und dass dabei eben keine moralischen Lehren im Vordergrund stehen sondern das Erzählen der Geschichte Selbstzweck ist.

This in itself is a foreign concept to many Germans, who typically preface any discussion of the past with its justification (e.g., „We must learn from the past in order that“). […] To most Germans engaged in learning from the Nazi past, it seems self-evident that the lessons to be learned deal with the bolstering of democracy and the rights of the individual. Quite simply, had these elements been more deeply ingrained in pre-Nazi German society, the whole era might never have come to be. Their Israeli dialogue-partners have no quarrel with these fine sentiments, only wondering at times why one needed the Nazi catastrophe to learn them.

Wohl meinende Deutsche ziehen daraus für sich den Schluss, Nationalismus an sich sei abzulehnen und erheben folgerichtig den Begriff des Pazifismus zur neuen gesellschaftlichen Imperative. So gedacht sollte es nie wieder Krieg geben, das ist die deutsche Lehre aus der eigenen Geschichte. Deutsche Lehren sind aber vor allem eines: deutsch.

Perhaps the single most important obstacle in Israeli-German dialogue to come from the German side is in the expectation that everyone learn theses lessons. Undoubtedly, this is sincere; nonetheless, at times the German participants seem unaware of the feelings their words evoke. After all, there can be an element of incongruity when Germans tell Jews how bad the Nazis were and then criticize Israeli nationalism. What seems to Germans to be an earnest endeavor is heard by the Israelis as a misplaced type of preaching.

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Israelis und die Wunder der Mobiltelefonie

Ivo Bozic ist da etwas aufgefallen an dem Verhältnis von Israelis zu ihren Mobiltelefonen:

Ob sie über die Straße gehen, am Strand im Café sitzen, im Einkaufscenter shoppen, oder mit dem Auto im Stau stehen – die Tel Aviver sind nie allein. Sie sind mental ganz woanders, pflegen ein ausgiebiges, beileibe nicht auf einen kurzen Informationsaustausch angelegtes Gespräch mit irgendwem, der wahrscheinlich gerade an einer anderen Stelle über die Straße geht, im Café sitzt, einkauft oder im Stau steht.

Als ich allein in der Dizengoff an einer roten Fußgängerampel wartete, stehen mir auf der anderen Straßenseite fünf Leute gegenüber, nebeneinander, jeder den rechten Arm angewinkelt, das Handy am Ohr und offenbar in eine interessante Unterhaltung vertieft. Ich fühlte mich plötzlich sehr allein. Jetzt habe ich eine israelische Telefon-Karte und scheine endlich angekommen zu sein.

Bei den Betrachtungen über Mobiltelefonie im öffentlichen Leben Israels könnte auch folgender sprachlicher Twist interessant sein: In Israel werden Mobiltelefone generell „pelefon“ (פלפון) genannt, die Wörterbuchübersetzung „telefon sellulari“ habe ich noch nie gehört. „Pelefon“ mag sich erst einmal lustig anhören, an allein nettem Vokabular hat die Sprache aber schon ganz andere Schmankerl zu bieten (Bankomat heißt hier „Kaspomat“, „sof ha‘derech“, wortwörtlich „Ende der Straße“, heißt so viel wie „endgeil“). Was פלפון dafür bemerkenswert macht, ist das Sprachspiel mit der Silbe „tele“, die zu „pele“ wird. „Pele“ (פֶּלֶא) heißt nämlich so viel wie „Wunder“.

Die Wunder der schnurlosen Telefonie leben, auch nachdem es schon lange niemand mehr wundersam findet, im Namen der Geräte weiter. Vielmehr als nur ein Wunder ist das Überall-Erreichbar-Sein den Israelis ein Segen, das merkt man hier auf jeden Schritt und Tritt. Und im Kino. Und der Bibliothek.

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