Den Bericht vom gestrigen Spiel Hapoel Tel Aviv gegen Beitar Yerushalayim gibt es bei Ha‘aretz. Das skurrilste Ereignis des Abends wird dort auch prominent erwähnt: eine während der Durchführung eines Elfmeters durch Hapoels Yossi Abuksis auf das Spielfeld geworfene stun grenade. Obwohl mein Tipp eher ist, dass es einfach ein riesiger Böller war. B. und ich standen im legendären Ultras-Block (sha‘ar hamesh – Tor 5) aus dem das Ding bescheuerterweise geworfen wurde. Die Böller-Reste auf dem Spielfeld sowie die Detonation (eigentlich waren es zwei an der Zahl) ließen eher auf einen normalen Knaller schließen, obwohl der Knall schon der lauteste war, den ich in meinem zugegebenermaßen bewegten Leben gehört habe und das Ding ein beachtliches Kraterchen in den Rasen sprengte. Zurück zum Spiel (Bild von ONE.co.il):
[…]In front of a full house at Bloomfield, Beitar put on the early pressure on a Tel Aviv team that was without four first team players down with flu, and Toto Tamuz twice missed chances to put his team ahead, but on 13 minutes Yoav Ziv burst down the right and sliced apart the Hapoel defense with a cross to Milovan Mirosevic, who volleyed in an unstoppable shot from outside the box.
[…] Hapoel came to life as Yossi Abuksis put Xavier Paes clear, but the Argentine sent his shot wide. On 25 minutes Abuksis and fellow veteran Walid Badir exchanged a beautifully worked double pass, but Beitar goalkeeper Itzik Korenfein made a diving save to deny the Tel Aviv captain.
On 33 minutes, Mirosevic set up Michael Zandberg with a golden opportunity, but the Beitar midfielder sent a sloppy shot wide of the post.
[…] Hapoel came out with all guns blazing in the second half, and its pressure paid off on 53 minutes when David Amsalem brought down Barda as he tried to shoot on goal. The referee showed Amsalem the red card and pointed to the spot.
Abuksis stepped up to take the spot kick, but a stun grenade thrown from the Hapoel stands sent him crashing to the ground in agony. The game was delayed for several minutes as Abuksis‘ injury was treated, but the Hapoel captain returned to the field and insisted on taking the kick, which he cooly slotted past Korenfein to level the scores.
„I felt that my leg was paralyzed,“ Abuksis said later. „But because it was a Hapoel fan that threw the grenade I forgive him. I still can‘t feel my leg, but I knew I had to step up and take the penalty.“
With a numerical advantage, Hapoel went for the kill but failed to break down the visitors‘ defense, and it was Beitar that created the better opportunities before the game ended with the teams sharing the points.
Schade war’s. Erwähnenswert sind auch die Geschichten, die der Artikel verschweigt, die sich allerdings trotzdem ereigneten.
Durch den Abend führte uns ein sympathischer junger Mann namens Fuad. Er war schon ziemlich betrunken als wir ihn trafen, er versprach uns aber die sehr begehrten Karten für den Fanblock zu besorgen, die man nicht am Schalter kaufen kann.
- 18.00 – Fuad und Eran hieven riesige Packen Hapoel-Ultras Kapuzenpullis aus dem Auto. Fuad nippt gelegentlich an seinem Vodka-Rud-Bull-Mischgetränk.
- 18.30 – Noch kein Erfolg. Erst mal Essen. Spießchen, Tchina, Traubensaft. Fuad nimmt seinem kleinen Bruder das Mischgetränk ab.
- 19.15 – Der Mannschaftsbus fährt vor, die Menge ist ekstatisch, Sprechchöre, Schals, gute Laune. Mischgetränk für Fuad. Jemandem fällt auf, dass vier Top-Spieler fehlen. Spekulationen, ob sie zu Hause vergessen wurden. Immer noch keine Tickets.
- 19.45 – Fuad setzt sich lieber mal. An einem Baum angelehnt ruft er „Mi yesh sha‘ar hamesh?“ („Wer hat Tor 5?“). Immer lauter. Sein Becher fällt ihm aus der Hand.
- 20.10 – Karten sind da. 50 Shekel das Stück, etwas dubios. Mit der Dauerkarte durch’s Tor, danach wieder Abgabe beim Besitzer. Krummes Ding. Fuad verschwindet in der Ultras-Menge.
Zu den Ultras ist zu sagen: Sehr sympathische Menschen. Seit Jahren besteht schon eine Freundschaft zu den Ultras St. Pauli, so dass wir des öfteren gefragt werden, ob wir Anhänger sind. Die Stimmung in dem Block ist außer in den 30 Sekunden nach dem Führungstreffer Beitars durchgehend hervorragend mit Sprechchören und sehr netten Choreografien. Die Ultras stecken in die Vorbereitungen der Spiele viel, viel Arbeit, und man sieht es dem Block während des Spiels an. Dutzende von Transparenten, unter anderem auch eine Widmung an einen verstorbenen Spieler, sowie viele für mich leider unverständliche Gesänge. Einen Sprechchor greife ich allerdings recht schnell auf:
Yerushalayim al ha‘zain, olé, olé, oléhhh! (ca. 20x hintereinander)
Was ziemlich vulgär und unübersetzbar ist. So viel sei gesagt: Er bringt Abneigung gegenüber Beitar zum Ausdruck. Es sind Vokabeln, die man weder im Ulpan lernt noch auf offener Straße hört, sie sind so ziemlich ausschließlich für das Stadion reserviert. So wie auch die Abneigung gegen Beitar-Fans: Vor dem Spiel laufen des öfteren gelb-gekleidete Beitar-Fans durch das Meer von roten Fans vor den Eingängen, aber kein einziger dummer Spruch ist zu hören. Schließlich ist Fußball doch, einem vielzitiertem Henry Blaha Spruch zufolge, ein game for gentlemen.
Die Hapoel-Ultras identifizieren sich sehr stark mit der Farbe rot. Als B. einem Fan Feuer gibt bemerkt dieser den gelben Smilie auf dem Feuerzeug: „Why you have yellow?“ fragt er entsetzt. Ein älterer Fan läuft mit einer Michael-Schumacher-Windjacke herum. Hauptsache rot.
Zum Schluss noch mal was für die St. Pauli Fans unter Euch:
Tags: beitar yerushalayim, fußball, Hapoel Tel Aviv, israel, ivrith, sport, ultras

Ein echter Held, der mein Fussballerherz hoeher schlagen laesst.