Archiv für Oktober 2006

Batzohoraim hayom: Engagierter Journalismus

Auch heute gibt es einen Mittag, etwas später, aber dennoch, da ist er. Das Wetter hat sich wieder gebessert, jedoch hat Oren dazu leider noch keinen Kommentar abgegeben. Die Sonne scheint und es ist warm, heute Abend geht es zur Sylvester-Party bei Viola und Fabian, gezeigt wird der Film The Hebrew Hammer. Sonst passiert hier gerade nicht viel. Deshalb gibt es heute zum Mittag aus der aktuellen Perlentaucher Magazinrundschau ein Beispiel für engagierten Journalismus:

Darf ein „embedded journalist“ auf Taliban-Kämpfer schießen? Vik Franke hat es getan. Im Interview mit Jaus Müller erzählt der Dokumentarfilmer, der die niederländischen ISAF-Truppen in Uruzgan begleitete, wie es dazu kam, dass er seine Kamera gegen ein Gewehr tauschte: „Wir gerieten in einen Hinterhalt. Der Angriff begann mit der Explosion eines Sprengsatzes, der einen afghanischen Soldaten in Stücke riss. Ich sah seinen abgetrennten Arm in der Böschung liegen. Ein anderer wurde erschossen, während ihn schon ein Sanitäter betreute. Sieben andere afghanische Soldaten wurden verwundet. Sie waren überall um uns und beschossen uns mit Kalaschnikows und Raketengranaten. Es war unvorstellbar. Ich habe gefilmt und fotografiert und so alles dokumentiert, bis die Batterien leer waren.“ Als er dann im Gras ein Gewehr liegen sah, habe er zugegriffen und „sein Scherflein beigetragen“. Moralische Skrupel oder Sorge um seine journalistische Unabhängigkeit habe er dabei nicht gehabt: „Ich schoss nicht um zu töten, sondern nur um zu überleben. In diesem Moment hatte ich nur einen einzigen Gedanken: Soviel Blei wie möglich in dieses Maisfeld zu schießen.“
Quelle: Perlentaucher Magazinrundschau vom 31.10.2006

Das Interview gibt es auf den Seiten des Magazins im Volltext, aber leider auf Niederländisch. Das meiste versteht man aber auch so.

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Museums-Podcasting

Der Hype ist eigentlich schon wieder seit mehr als einem Jahr vorbei, ich komme aber erst jetzt aus aktuellem Anlass dazu, mir mal näher anzusehen, was in der Micro-Scene der Museums-Podcasts so passiert. Wer will schon immer mit einem so genannten Museumsführer oder einem geliehenen Audioguide um die Werke ziehen, zumeist sind mir Kopfhörer, die schon mal jemand anderes an hatte, sowieso suspekt. Ganz gelegen kommt da die Idee mancher Museen, Touren als mp3 im Internet zur Verfügung zu stellen. BesucherInnen können sie ganz einfach auf ihren mp3-Player herunterladen und sie dann beim Gang durch das Museum anhören. Das MoMA in New York bietet einen ganzen Podcast an, in dem regelmäßig neue Audiobeiträge einzelne Werke beschreiben und kommentieren. Alle BesucherInnen werden eingeladen, selber Audio-Programme für Werke oder Ausstellungen beizutragen. Auf der Audio-Seite des Museums kann man schon so einiges für seinen nächsten Besuch finden.

Es muss aber nicht immer so sanktioniert zur Sache gehen. Überall im Netz tauchen seit einigen Jahren alternative Führungen nicht nur für Museen, sondern für ganze Städte auf. Podtrip.com hat etliche (bisher nur englische) Museumstouren zum herunterladen, mit dabei relativ abwegige Angebote wie das Burlingame Museum of Pez Memorabilia, auch die BBC bietet etliche mp3-Führungen an. Aufsehen erregten 2005 einige inoffizielle MoMA-Audio-Guides, die von ProfessorInnen und Studierenden Marymount Manhattan College zusammengestellt wurden. Die New York Times (login erforderlich) sowie die BBC berichteten darüber.

Dabei scheren sich die selbstgebastelten Audio-Programme wenig um die Konventionen der offiziellen Museumskultur:

The exchange sounded a lot more like MTV than Modern Art 101, but for Ms. Negrao it had a few things to recommend it. It was free. It didn‘t involve the museum’s audio device, which resembles a cellphone crossed with a nightstick. And best of all, it was slightly subversive: an unofficial, homemade and thoroughly irreverent audio guide to MoMA, downloaded onto her own iPod.

The creators of this guide, David Gilbert, a professor of communication at Marymount Manhattan College, and a group of his students, describe it on their Web site as a way to „hack the gallery experience“ or „remix MoMa,“ which they do with a distinctly collegiate blend of irony, pop music and heavy breathing. It is one of the newest adaptations in the world of podcasting – downloading radio shows, music and kitchen-sink audio to an MP3 player.

Und man wittert es auch schon: Wenn es um so etwas graswurzeliges geht, kommt es nicht ohne gesellschaftlichen Implikationen aus:

But Dr. Gilbert said his larger point was to try to teach his students to stop being passive information consumers – whether through television, radio or an official audio guide – and to take more control, using as his model the guru of so-called remix culture, Lawrence Lessig, a professor at Stanford Law School.
Quelle: New York Times, 28.05.2005

Etwas abgenommen hat der Hype darum schon, es gibt noch einen alten Slate-Beitrag zu den wildgewachsenen Museums-Guides, zusätzlich einen etwas angestaubten Blog. Man könnte den Hype „Museum 2.0″ nennen, der die gewohnte Erfahrung eine Museumsbesuchs komplimentiert mit Beitragen, die durch die AusstellungsmacherInnen nicht ohne weiteres zu kontrollieren sind (obwohl man im MoMA angeblich nach dem Auftauchen der „wilden“ Audio-Tours über ein iPod-Verbot nachdachte). Wenn das mal nix für die cultural studies Fraktion ist…

Oh! Und Paste Magazine hatte auch mal was drüber.

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World Pride am 11. November

Das erste Mal seit drei Jahren wird es in Jerusalem wieder eine Art Christopher-Street-Day geben. Die letzte so genannte World Pride Parade im Jahre 2003 gelangte zu trauriger Berühmtheit, nachdem sie von gewalttätigen ultra-orthodoxen Gegendemonstranten angegriffen worden war. Nach langen juristischen Auseinandersetzungen und nachdem schon im August ein Aktionstag in Jerusalem statt fand, ist nun eine neue Parade für den 11. November geplant. Auch der Gaza-Abzug sowie der letzte Libanon-Krieg verhinderten die Durchführung der umstrittenen Veranstaltung. Es gibt allerdings auch diesmal schon Bedenken, was mögliche Gegenaktionen von religiösen Fanatikern betrifft:

Plan for worst, hope for best: Israel’s gay community braces itself for one of most disputed pride marches in recent years. Worst case scenarios include violent incidents resulting in death, political hijacking by groups from within community.

Somber texts and pulling the plug on all music – these are just some of the steps detailed in the ‚disaster scenarios‘ plans prepared by the ‚Jerusalem Open House‘ (JOH), a GLBT organization participating in the pride parade taking place on November 11th in Jerusalem. GoGay, a leading Israeli internet sites for GLBT issues, reported over the weekend that several such ’scenarios‘ had been thought-out and prepared for.

Was alles notwendig ist, um eine ganz normale Schwulen- und Lesbenparade in dieser Stadt durchzuführen scheint auf den ersten Blick etwas übertrieben, ist es aber nicht. Die Polizei räumte für den Termin extra einen ganzen Knast, um nötigenfalls bis zu 1000 Festgenommene vorübergehend einsperren zu können. Ob die Parade überhaupt stattfinden wird, ist auch noch gar nicht klar. Ultra-Orthodoxe organisieren auch diesmal Protest gegen die Veranstaltung und sogar gleichgesinnte Araber sollen mit ins Boot geholt werden, um die öffentliche Zurschaustellung von Homosexualität in der heiligen Stadt zu unterbinden. Der oberste israelische Gerichtshof genehmigte zwar die Parade, die Polizei kann aber jederzeit unter Berufung auf Sicherheitsbedenken das Urteil außer Kraft setzen und die Demo/Parade verlegen oder ganz verhindern.

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Schönwetterisraelsolidarität

Dass es in Israel meteorologisch richtig eklig werden kann, hätte ich bis vorgestern nicht gedacht. Ich hatte mir nach Haifa meine Badehose mitgenommen und ich weiß nicht, wann ich mich schon mal je so sehr als enttäuschter Optimist gefühlt habe. Oren sagt: „Rain is always a blessing.“ Ich sage: „Wenn es bis morgen nicht aufgehört hat, bewerbe ich mich für ein Praktikum an einer Strandbar auf Bora-Bora.“

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Shabbat shalom!

Morgen geht es mit den Seminar-TeilnehmerInnen ins Ghetto Fighters House (Beit Lochemei HaGettaot – בית לוחמי הגטאות), danach den Shabbat in Akko vertreiben oder Haifa. Mal sehen. Für das Wochenende habe ich Euch etwas schönes rausgesucht:

Good Doggy!

Shabbat shalom und bis Sonntag.

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