Letzte Meldung vor dem Absturz

Silbentrennung?
Leute, die an dieser Stelle versuchen, Schlau-Ärsche zu sein und die Ausdrücke „LaTeX“ oder „OpenOffice“ in den Mund nehmen, bekommen virtuellen Ärger.

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Ben-Gurion enttäuscht: Altes Israel mehrsprachig!

Die Bedeutung der hebräischen Sprache war für die ersten Zionisten, die in Palästina das Land besiedelten und die Nation Israel wieder aufbauen wollten neben dem Ideal des „New Hebrew Man“ von fundamentaler Bedeutung. Mit der mythenbildenden Energie einer direkten Verbindung zum Volk des alten Israels sollte einmal das Exil abgewertet, zweitens aber auch die Bereitschaft zu Arbeit, Entsagung und lebensnotwendiger Verteidigung aufrecht erhalten werden.

Historische Fakten passten da nicht immer gut zu dem zionistischen Konzept der kollektiven Erinnerung, die den historischen Kampf um die nationale Freiheit und Selbstbestimmung beflügeln sollte. Besonders nicht, wenn Eindeutigkeiten bezüglich der Verwendung des Hebräischen im alten Israel aufkamen. Schließlich nahm die hebräsche Sprache in den Zeiten der palästinensischen yishuv eine zentrale Rolle in der neuen Kultur an, die im Anschluss an das als kämpferisch und freiheitsliebend erinnerte alte Israel entstehen sollte. Da rasselte es natürlich in der Kiste, als der zionistische Vorzeigearchäologe Yigael Yadin Briefe aus der idealisierten Bar-Kochba-Zeit fand, die größtenteils auf Aramäisch geschrieben waren.

Wie der sonst ziemlich zähe David Ben-Gurion auf diesen Fund reagierte, beschreibt Yadin nicht ohne Augenzwinkern so:

The letters are the most personal and direct evidence concerning Bar-Kokhba and his relations with his subordinates. At the same time they are a mine of linguistic data. The best way to describe them is to let them speak for themselves.

The first thing that struck us was that for no apparent reason some of the letters were written in Aramaic and some in Hebrew. Jews at that period were versed in both languages, yet since most of the letters were in Aramaic, possibly Hebrew had just lately been revived by a Bar-Kokhba decree. I remember that when I showed the letters to Mr. Ben-Gurion, then the Prime Minister, only the Aramaic documents had as yet been opened. ‘Why did they write in Aramaic and not in Hebrew?’ was his immediate angry reaction, as if the scribes had been members of his staff.

aus: Yigael Yadin: Bar Kokhba: The Rediscovery of the Legendary Hero of the Second Jewish Revolt Against Rome. Jerusalem, 1971.

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steal time

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Sehr originell: möööp-möööp-möp-möp-möööp- möp-möp-möp-möööp-möp-möp

Da hat diese elende Nationalelf nun also gegen die polnische gewonnen. Bravo. Nun fährt also alles, was noch in der Lage ist, sich aus der Kneipe in seine halb-abbezahlte Scheißkarre rauszuschleppen im Kreis und hupt. Außer die Ampel ist rot, dann weicht die Raserei einem unangenehmen Stillstand… man kann das Unbehagen fast spüren, wenn ein Wagen wegen einer Lichtzeichenanlage zum Stillstand kommt: Das Jubeln im Innenraum lässt etwas nach, Beklommenheit ob der auferlegten Bewegungslosigkeit. „Was machen wir hier eigentlich?“ muss es da mit aller Macht doch jedem durch den Kopf donnern, der im übrigen Leben noch annähernd in der Lage ist, einen vernünftigen Gedanken zu fassen. Aber vielleicht erwarte ich von den Menschen auch zu viel.

So fahren sie jedenfalls nun und lärmen weiterhin und ich wünsche mir weiterhin mehr rote Ampeln. Groooßartig. Als kleine Erinnerung:

Robert Gernhardt: Das Elfte Gebot

Als nun der HERR niedergekommen war auf dem Feldberg, oben auf seinem Gipfel, berief er seinen Knecht Gernhardt hinauf auf den Gipfel des Berges, und Gernhardt stieg hinauf.

Da sprach der HERR: Ich bin der HERR, dein Gott, und habe seinerzeit vollkommen verschwitzt, meinem Knecht Moses das Elfte Gebot mitzugeben, als er vom Berge Sinal hinunter zum Volke stieg.

So nimm du es und geh hin und steig hinab und verkündige allem Volke das Elfte Gebot.

Und Gott redete nur diese Worte:
„Du sollst nicht lärmen.“

Und Gernhardt tat wie ihm geheißen und stieg hinab und sprach also zum Volk: Dies sind die Lärmvorschriften, die der HERR euch auferlegt hat: […]

Vergehen gegen Ohr und Seele

So du in geschlossenen Ortschaften dein Autoradio einschaltest, so sollst du die Fenster und das Verdeck deines Wagens fest verschlossen halten.

Parkt jemand seinen Wagen, so soll er den Motor im Leerlauf nicht brummen lassen.

Ihr sollt nicht hupen. […]

Todeswürdiger Lärm

So ein Mann seinen fahrbaren Untersatz frisiert, auf daß der mehr Lärm mache, so ist er unrein.

Auch der Sattel, auf dem er reitet, wird unrein.

Und er und seine Maschine sollen dein Bann verfallen.

Fährt er aber fort, auf ihr herumzudüsen, so soll er des Todes sterben. […]

Get ready to get struck down, mutherfuckers!

Die vollständige göttliche Erläuterung des elften Gebots: hier.

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Gestern: Georg Fülberth über den „Mythos 1968″

Wohin man guckt: 68. DER SPIEGEL, Jutta Ditfurth, die taz, der neue SDS… alle reden sie über die magische Zahl. Aber vor allem die reden darüber, die selber dabei waren. Schließlich ist es für die Uni-Revoluzzer ein runder Geburtstag. 40 Jahre markieren einen generationellen Schnitt: zu diesem Zeitpunkt nach einem Ereignis sterben so langsam die Zeitzeugen des Ereignisses aus. Die einzige Möglichkeit, die autobiografisch bedeutsame Erinnerung weiter zu geben und bedeutsam zu halten ist sie in kulturelle Formen zu passen. Moses hat’s vor gemacht: nach 40 Jahren durch die Wüste wurde die Erinnerung an den Auszug aus der ägyptischen Gefangenenschaft zur Grundlage einer ganzen Religion.

40 Jahre nach dem Auszug der Intelligenz aus dem Reich der Ordninarien in die bunte Welt der individualisierten Kontrollgesellschaft kommen nun allmählig die ersten ehemaligen Revoluzzer auch in dem Land an, in dem Milch und Honig fließt namens „Altersruhestand“. Und statt zwei Gesetzestafeln und einem ewigen Bund mit Gott haben sie ihren Nachkommen auch etwas zu bieten: Fernsehdokus, Feuilletonbeilagen, DVD-Sets, Biografien, sogar ganze Kongresse, in denen es um nichts anderes geht.

Ein Abfeiern der 68er musste man von Georg Fülberth bei seiner Veranstaltung im Infoladen gestern Abend nicht erwarten. Seine Thesen zu dem Zustandekommen des symbolträchtigen Jahres kann man in der Jungle World 03/2008 nachlesen:

In den hoch entwickelten kapitalistischen Ländern verschwanden nach 1960 die Bauern als eine quantitativ und ökonomisch relevante Menschengruppe, und es stieg eine neue Massenschicht auf: die Intelligenz. […]

Die Revolte von 1968 war das Betriebs­geräusch, das dadurch entstand, dass die neue Massenschicht sich auf ihren Platz im politischen und gesellschaftlichen System drängelte. Schließlich – mit Zeitverzögerung von einem Jahrzehnt – produzierte sie sogar eine eigene Partei: die Grünen. Eine Dramatisierung erfuhr der Aufstieg der Intelligenz dadurch, dass sie in den sechziger Jahren auf dem Arbeitsmarkt stark nachgefragt war.

Seiner Selbstbeschreibung nach nahm Fülberth an 68 nicht teil. Die wahlweise biografisch-verarbeitende Fetischisierung oder Dämonisierung blieb zugunsten einer geübt distanzierten Haltung aus. Als gestandener Materialist nimmt er der einstigen Avantgarde den revolutionären Wind aus den Segeln: Die oppositionellen Studis setzten als praktisches Vollzugspersonal einer beschleunigten kapitalistischen Wirtschaftsweise soziale und kulturelle Reformen gegen ein reaktionäres Bürgertum um.

Das Tönen darüber heute verdanken wir den gleichzeitig erschlossenen Artikulationsformen: die Intelligenz spricht gerne über ihren Aufstieg in öffentlichen Medien und Zeitungen, widmet ihnen Vorlesungen und Biografien oder steht als Interviewpartner_in in Talkshows zur Verfügung.

Es bleibt die Frage, welche Fassungen des damals geschlossenen ehernen Bundes nun bestehen und welche aufgebrochen werden müssen. Nur kurz zur Sprache kam das emanzipierte Geschlechterverhältnis, das durch die Revolte nur ansatzweise angedacht und durchgesetzt werden konnte.

Alles in allem eine sehr gute Veranstaltung! Danke Infoladen!
(Dieser Post wurde zuerst veröffentlicht bei der DL Gießen)

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